Im Laufe der Jahrhunderte der Siegener Stadtgeschichte hat es einige verheerende Brände gegeben. Dieser Auszug der "großen Brände" stammt aus der Zeit vor dem Gründungsjahr der Feuerwehr Siegen (1885).

1593 - Brand in der Marburger Straße

Es war der 16. August, im Hochsommer. Die meisten Siegener Bürgerinnen und Bürger arbeiteten zu dieser Zeit auf dem Feld. Da brach im Haus eines Pfannenschmieds in der Marburger Straße ein Brand aus. Funken waren in den Flachs geflogen, so kam es zu einer zerstörerischen Kettenreaktion der Feuergewalt: Beide Seiten der Marburger Straße verschwanden in einem Flammenmeer, das sich dann auch noch ausweitete auf die Oberstraße, die "Höhe" und in die Hundgasse.

Bilanz dieses Sommertags

25 Wohnhäuser und 15 Scheunen brannten ganz ab; 13 weitere wurden zum Teil zerstört. Insgesamt waren also 53 Gebäude vom Brand betroffen - und folglich viele Menschen erst einmal ohne Dach über dem Kopf.

1599 - Brand am Markt

Der Brand am Markt sechs Jahre später stand unter einem ganz anderen Stern. Es war kurz nach Walpurgisnacht, also im Frühjahr, als abends gegen 22 Uhr das Feuerschicksal die Stadt erneut ereilte.

Unglückliche Kettenreaktion

Der Quell des Unheils war diesmal der Stall einer Wirtschaft. Hier brach das Feuer aus ungeklärten Gründen aus - und weil die Häuser und Stallungen so dicht beieinander standen, sind viele mit abgebrannt. Auch Kühe und Pferde waren betroffen, ebenso das Dach der Stadtmauer und einige besonders stattliche Bürgerhäuser. Die ganze Nacht holten die Menschen mit Wagen und Karren Wasser bei der Sieg. Denn die Brunnen waren alle leer gemacht worden.

Nach dem Brand wurden die Häuser wieder aufgebaut.

1695 - "Der große Brand"

Dieses Feuer ist wahrlich geschichtsträchtig. An das größte Unglück, das die Stadt Siegen jemals getroffen hat, erinnern heute noch zahlreiche Inschriften.

Schwarzbrotbäcker oder Wachtmeister?

Am 20. April 1695 brach gegen 18 Uhr in einem Wohnhaus-Speicher ein Feuer aus. Es wurde nie aufgeklärt, ob nun im Haus eines Schwarzbrotbäckers oder Wachtmeisters die Brandstätte gewesen ist - vermutlich auch deshalb, weil die Häuser eine ganze Straße hindurch nicht durch Speicherwände getrennt waren. Und auch, ob - wie manch einer munkelte - Brandstiftung im Spiel war, bleibt ein ungeklärtes Rätsel.

Vergessene Kranke im Hospital

Man hätte vielleicht schnell die Flammen unter Kontrolle bringen können, hätte nicht an diesem Abend ein starker Wind geweht. Dieser wurde den Siegener Bürgerinnen und Bürgern zum Verhängnis: Der Brand breitete sich in rasender Geschwindigkeit aus, der gesamte untere Teil der Stadt bis an den Markt, die ganze Löhrstraße, die Kölnerstraße, Kohlbett, Pfuhl, "Auf der Flossen" und einige Straßen mehr, samt fürstlichem Hof, das Gebäude des Kölner Tors und die Johanniskirche brannten bald lichterloh. Auch vor dem Hospital machten die Flammen keinen Halt. Das war besonders schlimm, denn an die armen Alten und Hilflosen im Hospital wurde wohl nicht gedacht, wodurch elf Tote dem Brand zum Opfer fielen.

Rathausschmaus mit Nachgeschmack

Im Rathaus stand während des Brandes praradoxerweise eine große gedeckte Tafel mit einem Festschmaus bereit. Das feierliche Mahl war ausgerechnet gezahlt worden vom sogenannten "Feuerschilling", also der Haushaltsabgabe, die Rat und Schöffen von den Bürgern für Brandschutzzwecke erhoben.

Unwiederbringbare Verluste

Der Brand hatte neben der Zerstörung auch andere Folgen: Es herrschte das totale Chaos. Plünderungen fanden zuhauf statt. Auch was Schutz und Ordnung anging, geriet einiges aus den Fugen: Noch bis zum Monatsende blieben die Stadttore ohne Bewachung und es wurde kein Wegegeld eingenommen. Die Menschen durchsuchten die Trümmerhaufen und Kellergewölbe nach Hab und Gut. Doch vieles war vernichtet oder auch gestohlen worden. Kulturgüter wie die St. Johanniskriche und der Nassauische Hof hat die Stadt Siegen in diesem Feuer verloren - und insgesamt 300 Gebäude. Ein unvorstellbarer Schaden.

1758 - Hammerhütte: 'Alarm, die Schule brennt!'

In der südlichen Siegener Vorstadt, wo viele arme Menschen lebten, verbrannten am Morgen des 8. März 19 Wohnhäuser, 3 Scheunen, 2 Kohlschuppen und 1 Schule.

Wer war Schuld?

Die Frau des Hammerschmieds Schleifenbaum hatte in einem verdeckten Gefäß Feuer geholt und wurde beschuldigt, den Brand dadurch verursacht zu haben. Doch man konnte ihr keine Fahrlässigkeit nachweisen, weshalb sie und ihr Mann auch nicht für den entstandenen Schaden haften mussten. Und der war nicht zu knapp.

Was hat's gekostet?

Auf 4.738 Thaler beläuft sich die Gesamtsumme (um diese Summe aus heutigem Blickwinkel besser einsortieren zu können: für das Bett des Lehrers waren beispielsweise 8 Thaler und für seine Bettpfanne 1,30 Thaler Schaden entstanden).

Was hat's "gebracht"?

Bei einer Hilfsaktion wurden nach dem Brand 900 Thaler für die Brandgeschädigten gesammelt. Erstmals erschien nach diesem Ereignis eine Feuerversicherung den Menschen notwendig.

1869 - Klubbbrand oder: Untergang des ältesten Stadtteils

Der "Klubb" - so wurde der älteste Siegener Stadtteil genannt, dessen Häuser bereits im 14. Jahrhundert gestanden hatten. Münzfunde belegen dieses Alter. Zwischen Markt, Krämergasse und Nikolaikirche war er gelegen, bestehend aus 25 eng zusammengedrängten Häusern. Hier wohnten 49 Familien, insgesamt 200 Personen.

Zu dieser Zeit waren die meisten Brandopfer bereits versichert. Augenzeugen zufolge herrschte glücklicherweise zur Brandzeit kein Wind. Denn dieser hätte wohlmöglich wie beim "Großen Brand" von 1695 für weit mehr Schaden gesorgt und die gesamte Stadt in Flammen gerissen.

Nicht zuletzt ist es aber auch der damaligen Feuerwehr zu verdanken, dass die Brandfolgen relativ harmlos blieben. Mit zahlreichen Feuerspritzen und 1.500 Feuereimern waren die Männer im Einsatz gewesen und hatten sich mit ihren Löscharbeiten den Respekt der Siegener Bürgerschaft verdient.

Der Klubb hatte schon lange als feuergefährdet gegolten.Nach seinem Untergang wurde der Häuserblock nicht wieder aufgebaut.  An seine Stelle kam stattdessen ein ausgedehnter, mit Grünanlagen geschmückter Marktplatz.