In einigen Orten hatten sich Mitte des 19. Jahrhunderts schon aus Turnvereinen heraus sogenannte Turner-Feuerwehren gebildet – so z.B. in Dillenburg 1849. In Siegen gab es aber keine derartigen Absichten. Hier gab ein Stadtrat den Impuls zur Feuerwehr-Gründung.

Wie kam's dazu?

Die Idee einer freiwilligen Siegener Feuerwehr ging von dem Stadtrat J. Holzklau aus. Denn der hat den sich damals in Berlin befindlichen Siegener Maurermeister Heinrich Hubert dazu bewogen, sich bei der Berliner Berufsfeuerwehr ausbilden zu lassen – um im Anschluss in Siegen eine eigene Feuerwehr zu gründen und diese leiten zu können.

Über Umwege zum Ziel

Zwar legte Hubert in Berlin das Oberfeuerwehrexamen ab, aber leider stieß er mit seinen Bemühungen nicht auf Verständnis des damaligen Bürgermeisters. Erst über Umwege, nämlich durch Anträge der Vorstände des Handwerker- und Turnvereins, wurde der Magistrat dazu gebracht den Gedanken aufzugreifen: Am 4. April 1865 hielten Handwerker- und Turnverein eine Bürgerversammlung in der Löhrstraße ab. Hier wurde eine Steigermannschaft gebildet. Diese Mannschaft hielt am 25. April 1865 ihre erste Übung ab.

Unsere Freiwillige Feuerwehr wird "geboren"

Am 16. Juni 1865 erließ Bürgermeister Brasse eine Bekanntmachung mit einem Satzungsentwurf für die Feuerwehr. Darin wurde zum Beitritt aufgefordert. Der § 1 lautete: Die Feuerwehr ist eine freiwillige!

Der eigentliche Gründungstag der Feuerwehr Siegen ist der 18. Juni 1865. An dem Tag fand eine Versammlung statt, in der die vier Mannschaften (Steiger-, Spritzen-, Schutz- und Ordnungsmannschaft; insgesamt waren es 280 Mann) aufgestellt und die Führer gewählt wurden.

Die erste Mannschaft

Bauinspektor Blankenhorn wurde Hauptmann der gesamten Feuerwehr. Seine Stellvertreter waren Architekt Spies und Ingenieur Gregor. Turnlehrer Eichelsheim führte die 62 Mann starke Steigermannschaft.

Antreten bitte!

Im Juli 1865 fand das erste "Antreten" auf dem Hasengarten statt und die Männer wurden auf die einzelnen Spritzen verteilt, insgesamt waren es vier Stück.
811 Taler gab die Stadt Siegen im ersten Jahr für die Ausrüstung der Feuerwehr aus. Einen Helm mussten sich die Mitglieder damals übrigens alle selbst kaufen. Aber Geräte, Schlauchwagen, Leitern, Gurte, Nothaken, leinene Kittel und eine Pfeife für jeden Steiger wurden gestellt.

Wer fehlt, muss zahlen

So weit so gut. Doch schon bald ließ der anfängliche Eifer der Kräfte nach. An Übungen wurde nicht mehr regelmäßig teilgenommen. Bereits im Oktober, nur vier Monate nach der Gründung, sah man sich gezwungen, bei Übungen fehlenden Mitgliedern zweieinhalb Silbergroschen als Strafe abzunehmen. Und wer bei einem Brand nicht erschien, musste sogar einen ganzen Taler zahlen.

Aus 280 werden 30

Schon 1866 war der Rückgang der Mitgliederzahl so erdrückend, dass die gesamte Ordnungsmannschaft auseinanderfiel. Die Spritzen konnten nicht mehr alle besetzt werden. Turnlehrer Eichelsheim ging nach Berlin und Hauptmann Blankenhorn legte sein Amt nieder. Einzig Heinrich Hubert – jetzt Führer der Steigermannschaft – hielt seine Männer mit Kampfgeist zusammen und übte unermüdlich mit ihnen weiter. Als am 20. August 1867 das Brauhaus unterm Hain brannte, bewährten sich die von Hubert geführten Leute und ihr anhaltender Eifer zahlte sich aus.

1868 waren von den 280 ursprünglichen Mann noch 20 Steiger und 10 Spritzenleute unter Huberts Führung übrig. Als 1869 der Klubb abbrannte, ist den wenigen aber gut ausgebildeten Männern zu verdanken, dass die umstehenden Häuser und die Kirche gerettet werden konnten.