Explosion in der Kleiderfabrik 1940: erstes Unglück

In den Zeiten des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt Siegen lange verschont. Doch 1940 passierte erstmals ein schlimmes Unglück: Am 22. Februar um 7 Uhr morgens ereignete sich in der Kleiderfabrik Walter Sauer in Hammerhütte an der Brückenstraße eine große Explosion. Nicht nur die Fabrik, auch Teile der Nachbargebäude wurden stark beschädigt. Neun Personen kamen zu Tode, neun weitere wurden schwer verletzt von den Einsatzwagen der Feuerwehr in Krankenhäuser gebracht.

Großangriff 1944: Bomben zerstören Siegen

Die größte Katastrophe in der Geschichte der Stadt Siegen passierte gegen Kriegsende: Am 16. Dezember 1944 haben britische und amerikanische Bombenflugzeuge die Stadt angegriffen. In wenigen Minuten war ganz Siegen in ein riesiges Flammenmeer verwandelt.  Natürlich hatte sich die Feuerwehr Siegen im Vorfeld auf Angriffe vorbereitet. Der Luftschutz-Sicherheits- und Hilfsdienst war in ständiger Bereitschaft. Es gab Bunkerbauten, Stollen und Feuerlöschteiche am Hasengarten, in der Eintracht und im Hof des Unteren Schlosses. Doch die Schwere der sich dann tatsächlich ereignenden Bombardierung übertraf alles, womit man gerechnet hatte.

Kein Löschwasser

Der Luftschutz-Sicherheits- und Hilfsdienst, der sich zur Zeit des Angriffs bei einer Übung befand, wurde sofort zur Brandbekämpfung Richtung Stadtmitte gerufen. Trümmerberge versperrten Straßen, aber bis zur Löhrstraße kamen die Kräfte. Sie mussten dann aber feststellen: Es gab keine Wasserzufuhr.

Die aus berufstätigen Männern bestehende Freiwillige Feuerwehr war zur Unterstadt beordert worden. Zusammen mit auswärtigen Wehren, z.B. Neunkirchen, Eiserfeld, Marienborn, nahm sie den Kampf auf, obwohl er aussichtslos erschien. Wie in der Oberstadt waren auch hier die Wasser-Versorungsleitungen zerstört. Aus den Löschteichen konnte kein Wasser zugeführt werden.

Gerätehäuser brennen nieder

Die herumliegenden Trümmer machten es schwer möglich, an offene Gewässer heranzukommen. Ein Feuersturm behinderte die Brandbekämpfung schließlich vollends.
Die Feuerwehrmänner mussten an fast allen Stellen zusehen, wie Siegen niederbrannte. Ihre Gerätehäuser in der Altstadt (Rathaus), Hammerhütte, Unterm Hain und in Sieghütte wurden größtenteils vernichtet.

Einmarsch der Amerikaner 1945: Stellung halten

Im April 1945 rückten amerikanische Truppen ein. Zwei Wochen vorher hatten die Feuerwehrmänner den Befehl bekommen, sich "abzusetzen" – mit dem Endziel: Sauerland. Nur ein Teil der Männer folgte dem Order. Es gab aber auch solche, zum Beispiel den Stadtbrandmeister Heimann die auf eigene Kappe nach Einmarsch der amerikanischen Truppen handelten. Sie sammelten brauchbare Teile aus den beschädigten Fahrzeugen und setzten einsatzfähige Geräte zusammen.

Nicht klein zu kriegende Feuerwehr

Anfang April war der Kampf zwischen sich zurückziehenden deutschen Truppen und Amerikanern noch nicht ganz entschieden. Am 5. April 1945 erließ die alliierte Militärregierung den Befehl zur "sofortigen Wiedereinrichtung eines wirksamen Feuerschutzes". Wie sollte das gehen? Eine zunächst unlösbar scheinende Aufgabe! Aber innerhalb kürzester Zeit standen bereits einige unentwegte freiwillige Feuerwehrmänner bereit, außerdem eine hauptamtliche Wache von 28 Wehrleuten. Sie alle wollten den Feuerschutz und die Brandbekämpfung aufnehmen.

Wiederaufbau in der Fludersbach: "Packen wir's an!"

Die feuerschutztechnischen Anlagen in der Fludersbach hatte der Stadtbrandmeister Heimann vor der Vernichtung bewahren können. Hier zentralisierte sich nun der Wiederaufbau des Siegener Feuerschutzes.

Wasser für alle

Ein defektes Tanklöschfahrzeug und eine Tragkraftspritze wurden wieder einsatzfähig gemacht. Das Tanklöschfahrzeug war nun täglich im Einsatz – und mit ihm ohne Unterbrechung auch die Männer. Denn die Wasserversorgung der Bevölkerung war ja völlig lahmgelegt und die Menschen mussten mit Trinkwasser versorgt werden. Auch die Krankenhäuser waren abhängig vom Wasser der Feuerwehr.

Fahrzeugwerkstätten

Eine Dreherei, eine Schlosserei und eine Schmiede – all das wurde eingerichtet, um aus beschädigten Fahrzeugen wieder einsatzfähige zu machen. Nicht nur Feuerwehr- auch andere städtische Fahrzeuge und Feuerlöschgeräte benachbarter Wehren wurden  von den erfolgreich arbeitenden Werkstätten repariert.

Wie ging es weiter?

Die ehemals geltenden Feuerlöschgesetze waren durch die Militärregierung außer Kraft gesetzt worden. Als sich nach drei Jahren genug Männer für eine wirksame freiwillige Siegener Feuerlöscheinheit fanden, mussten diese den Befehlen der Militärregierung folgen.

Das restlos zerstörte Feuermelde- und Alarmsystem konnte erst Ende 1957 wieder funktionsfähig gemacht werden – nach vielen Jahren mühevoller Arbeit.

Personelle Änderungen

Der Leiter der Feuerwehr Siegen Jean Heimann hatte 1945 das Amt des Kreisbrandmeisters übernommen. An seine Stelle war am 15. April 1945 Stadtbrandmeister Ernst Roedig getreten.

Nach Roedigs Tod am 31. August 1958 leitete vorübergehend der Hauptbrandmeister Paul Bergmann die Feuerwehr Siegen. Da sich die Wiederbesetzung dieses verantwortungsvollen Amts als schwierig erwies, wurde erst zum 1. April 1960 ein Nachfolger gefunden: Stadtamtsmann Otto Meiswinkel, der bereits seit langer Zeit bei der Stadtverwaltung die Feuerwehrangelegenheiten bearbeitet hatte.

Unter Meiswinkels Führung wurden die Wehren mit neuzeitlichen Geräten ausgestattet.

Krankentransportdienst durch die Feuerwehr

Am 15. Mai 1946 befahl die alliierte Militärregierung, dass der zeitweise dem DRK übertragene Krankentransportdienst wieder in die Hände der Feuerwehren gelegt werden sollte. Die verfügbaren Fahrzeuge waren hierfür zunächst völlig unzureichend. Trotzdem wurden schon 1947 über 15.000 Transporte durchgeführt.

Nachkriegsjahre

Zwischen 1946 und 1955 war die Feuerwehr Siegen jährlich etwa 200- bis 400-mal im Einsatz. Pro Jahr waren unter den Einsätzen durchschnittlich zwei bis drei Großbrände:
 
  • 05.07.1946: Brand im Bundesbahnausbesserungswerk Siegen
  • 28.07.1946: Brand in den Stahlwerken Südwestfalen
  • 01.10.1946: Brand des Sägewerks August Schleifenbaum, Weidenau
  • 20.11.1948: Brand bei den Naxos-Schmirgelwerken in Siegen (mehrfache Brände in den Schmirgelwerken nach diesem Datum sind verzeichnet)
  • 08.06.1950: Brand bei der Firma Achenbach und Söhne, Buschhütten
  • 09.06.1950: Wohnhausbrand Familie Stracke im Charlottental
  • 14.08.1950: Brand im Oberen Schloss (Wohn- und Museumsgebäude)
  • 18.04.1951: Brand des Geschäftshauses der Firma Josef Klein, Koblenzer Straße
  • 06./07.06.1951: Brand des Sägewerks Münker auf der Eintracht
  • 04.10.1951: Brand der Firma Siegas, In der Grobe
  • 30.11.1951: Brand des Sägewerks Berg, Dreis-Tiefenbach
  • 07.01.1952: erneuter Brand im Bundesbahnausbesserungswerk Siegen
  • 30.07.1953: Brand bei der Firma Limper, Eifertsufer
  • 17.09.1953: Brand des Eisenzecherzuges in Eiserfeld
  • 10.05.1954: Waldbrand zwischen Eiserfeld und Salchendorf
  • 02.04.1955: Brand der Firma Gontermann & Peipers, Kaan-Marienborn
  • 18.03.1956: erneuter Brand bei der Firma Achenbach und Söhne, Buschhütten

1956 bis 1964

Jährlich wurde die Feuerwehr in dieser Zeit etwa zu 120 Einsätzen gerufen.
Besonders die furchtbare Gasexplosion am Fischbacherberg am 28.02.1963 mit sechs Toten forderte den Einsatzkräften einiges ab.

Ursache vieler der Feuerwehreinsätze waren Hochwasser, Waldbränden oder auch Abschleppdienste – denn es gab nach dem Krieg noch keinen privaten Abschleppdienst.

1961 wurde der Löschzug West als fünfter Löschzug gegründet.