Startlö(s)cher
Die Feuerwehr Siegen engagiert sich in verschiedenen Bereichen und mit diversen Aktivitäten für ehrenamtliche Nachwuchsförderung und Mitgliedergewinnung. Die "Startlö(s)cher" sind ein innovatives eigenes Projekt, das vom Land Nordrhein-Westfalen als vorbildliches "Best-Practice" Projekt ernannt wurde.

Was zeichnet die "Startlö(s)cher" aus?

Wenn Alexander Schmitz, Lehrer an der OGS Kaan-Marienborn, die Mitglieder seiner Feuerwehr-AG zur Nachmittagsübung ruft, sind alle Kinder sofort mit Feuereifer und voller Konzentration bei der Sache. Jeder Handgriff wird geübt.

Das geht besonders gut, weil den Nachwuchskräften "echte" Feuerwehrmaterialien zur Verfügung stehen. Denn Alexander Schmitz ist nicht nur Grundschullehrer. Er ist gleichzeitig auch ausgebildeter Feuerwehrmann im Löschzug 8 (Kaan-Marienborn, Feuersbach, Volnsberg) der Feuerwehr Siegen, zugehörig zur Löschgruppe Feuersbach. Somit hat er nicht nur tiefgehende Kenntnisse von der Materie, sondern auch Zugriff auf Feuerwehrausrüstung, Löschfahrzeuge etc.

Eine Erfolgsgeschichte - wie alles begann

2010 hat Alexander Schmitz, der auch Mitglied im Arbeitskreis Brandschutzerziehung der Feuerwehr Siegen ist, seine beiden Leidenschaften, Schule und Feuerwehr, vereint: Er hat erstmals eine Feuerwehr AG im Nachmittagsprogramm der OGS Kaan-Marienborn angeboten. Das Projekt "Startlö(s)cher" zur Nachwuchsförderung der Feuerwehr Siegen war geboren. Ein voller Erfolg, der seither jedes Jahr mehr Kinder anzieht, als es in der AG Plätze zu besetzen gibt.

Besonderheiten der Feuerwehr-AG

In der Ganztagsschule werden jeden Nachmittag verschiedene Arbeitsgemeinschaften (AGs) angeboten. Normalerweise werden sie immer ein halbes Jahr "gebucht". Die Feuerwehr-AG ist eine Ausnahme. Sie findet ein ganzes Jahr lang statt, je eine Stunde am Donnerstagnachmittag. Denn das von Alexander Schmitz konzipierte Programm sieht verschiedene Inhalte vor, die – aufeinander aufbauend – gewissenhaft durchgenommen werden und zudem teilweise wetter- und somit jahreszeitenabhängig sind. Acht bis zehn Kinder der dritten und vierten Klasse besuchen die Feuerwehr-AG ein Jahr lang. Dann haben sie das Alter für den Eintritt in die Jugendfeuerwehr erreicht. Und nicht wenige von ihnen nutzen das "Sprungbrett": Sie entscheiden sich nach Ablauf der AG dann tatsächlich für einen Beitritt.

Super Quote

"Fast ein Drittel der Kinder ist nach Ende der AG in eine unserer Siegener Jugendfeuerwehrgruppen eingetreten", sagt Alexander Schmitz. Der Pädagoge weiß, wie wichtig in dieser Zeit die Weichenstellung für künftige Interessen ist. Deshalb bringt er den Kindern nicht nur so wichtige Themen wie Erste-Hilfe-Maßnahmen, das Absetzen eines Notrufs, Brandschutzerziehung und natürlich das Basiswissen zur Feuerwehr bei. Sein Engagement im Rahmen der AG der "Startlö(s)cher" festigt außerdem ein Interesse am Thema Feuerwehr. Und wenn die Kinder beim Tag der offenen Tür der Schule im Sommer dann einen Löschangriff präsentieren können, sind sie mit ihrem praktischen Wissen schon ganz weit vorne dabei. Einem Beitritt in die Jugendfeuerwehr steht dann nichts mehr entgegen.

Best Practice

Die "Startlö(s)cher" sind ein Best-Practice-Projekt des nordrheinwestfälischen Gemeinschaftsprojekts "Feuerwehrensache" des Verbandes der Feuerwehren in NRW e.V. (VdF NRW) und des Ministeriums für Inneres und Kommunales in Nordrhein-Westfalen (MIK NRW).

Konzeptionelle Hintergründe und Details

Ziel der Initiative ist es, den Nachwuchs der Feuerwehr Siegen zu fördern. Hierfür wurde konzeptionell beim Alter darauf geachtet, dass die Grundschulkinder nach Abschluss des einen Jahres in der Feuerwehr-AG, die ihre Interessen an der Thematik Feuerwehr fördert, das Alter für den Eintritt in die Jugendfeuerwehr erreichen.

Ein Projekttag der Startlöscher sieht wie folgt aus: Jeden Donnerstag von 15 bis 16 Uhr trifft Alexander Schmitz seine derzeit 10 Schüler der Feuerwehr-AG. Die Kinder tragen Feuerwehr-Westen und beschäftigen sich in dieser Stunde mit feuerwehrspezifischem Fachwissen. Zum Beispiel bringt Alexander Schmitz ein Löschgruppenfahrzeug seiner Löschgruppe mit und die Kinder stellen einen Löschangriff nach: Zwei mimen Opfer oder Alarmierende, während die acht anderen den Trupp darstellen und anhand echter Gerätschaften (Schläuche etc.) die Rettung üben.

Weitere Inhalte sind (je nach Jahreszeit und Wetterlage):
  • Erste-Hilfe-Ausbildung:  stabile Seitenlage, Anlegen eines Druckverbands und vieles mehr
  • Brandschutzerziehung
  • Notruf-Erlernen
  • Durchsprechen von Fallbeispielen
  • Basiswissen Feuerwehr
Außenübungen und Theoriemodule wechseln sich in dem von Alexander Schmitz konzipierten Lernkonzept der AG möglichst ab. Bei gutem Wetter stehen meist Übungen im Außengelände an. Bei Schlechtwetter werden beispielsweise auch Medien wie Videomaterial in den AG-Unterricht integriert.

In Zeiten, wo die Jugendfeuerwehr sich mit der Nachwuchsgewinnung aufgrund des demographischen Wandels, aber auch aufgrund des hohen Aktivitätsangebots und geringen Zeitpensums bei den Schülern (Ganztagsschulen lassen höchstens noch Zeit für ein, zwei Hobbys, Fußball oder andere Sportarten stehen hoch im Kurs) schwer tut, erscheint dieses Projekt wegweisend. Die hier aufgebaute Bindung an die Feuerwehr, der feuerwehrspezifische Wissensvorsprung plus die Verabschiedung der Projektteilnehmer bei Erreichen des Beitrittsalters für die Jugendfeuerwehr erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Eintritts ungemein - und die letzten drei Jahre haben gezeigt, dass das Konzept aufgeht.